Du hast ein Thema für ein E-Book und öffnest ein leeres Dokument. Eigentlich könntest du jetzt anfangen. Trotzdem fehlt der erste Satz. Vielleicht schreibst du eine Einleitung, verwirfst sie wieder und sammelst stattdessen weitere Ideen. Das Dokument wächst, aber der Aufbau bleibt unklar.

An diesem Punkt hilft eine Gliederung. Damit entscheidest du vor dem Schreiben, für wen dein E-Book gedacht ist und in welcher Reihenfolge du das Thema erklärst. Ein einfaches Dokument reicht dafür. Wenn der Ablauf steht, weißt du auch, womit du den ersten Abschnitt füllen kannst.

Lege fest, wer das E-Book gerade braucht

Eine Zielgruppe lässt sich über eine konkrete Situation beschreiben. „Selbstständige“ ist dafür ein weiter Rahmen. „Selbstständige, die zum ersten Mal einen einfachen Newsletter vorbereiten“ sagt dir bereits mehr über den notwendigen Inhalt.

Überlege, was diese Person schon weiß und woran sie gerade festhängt. Kennt sie grundlegende Begriffe? Hat sie bereits ein Werkzeug ausgewählt? Fehlt ihr eine Entscheidung oder die Anleitung zur Umsetzung? Diese Fragen bestimmen, welche Grundlagen du erklären solltest.

Konzentriere dich auf Angaben, die deinen Text beeinflussen: Was weiß die Person schon? Was möchte sie erledigen? Welche Werkzeuge stehen ihr zur Verfügung? Schreib die Antworten in wenigen Sätzen auf und halte sie während der Arbeit sichtbar. Bei einem Kapitel, das ausufert, kannst du dann prüfen, ob es für diese Person überhaupt nötig ist.

Formuliere ein überschaubares Ergebnis

Dein E-Book braucht ein Ergebnis, das sein Inhalt plausibel unterstützen kann. Ein Leitfaden zum Newsletter-Start könnte helfen, ein Thema festzulegen, einen ersten Versand zu planen und einen Entwurf zu schreiben. Eine bestimmte Zahl an Abonnenten oder Verkäufen lässt sich dadurch nicht versprechen.

Formuliere das Ergebnis als Satz: „Nach dem Durcharbeiten hast du …“ oder „Danach kannst du …“. Prüfe anschließend, welche Voraussetzungen dafür gelten. Muss die Person bereits eigene Inhalte besitzen? Braucht sie Zugang zu einem bestimmten Programm? Solche Voraussetzungen gehören früh in die Planung.

Schreibe auch auf, welche Fragen du diesmal ausklammerst. Sonst bekommt ein kleiner Leitfaden schnell noch ein Kapitel über jede angrenzende Frage. Diese Grenze hilft dir später auch dabei, das Angebot ehrlich zu beschreiben.

Sammle die Fragen deiner Leser

Bevor du Kapitelüberschriften formulierst, sammle die Fragen, die auf dem Weg zum Ergebnis auftauchen. Beim Newsletter-Beispiel könnten das folgende sein: Worüber soll ich schreiben? Was gehört in die erste Ausgabe? Wie viel Inhalt ist sinnvoll? Welchen nächsten Schritt kann ich anbieten? Was muss ich vor dem Versand kontrollieren?

Du kannst zusätzlich Fragen aus Gesprächen, Supportanfragen oder öffentlich zugänglichen Diskussionen notieren. Achte dabei auf den Zusammenhang. Eine Frage aus einem großen Marketingteam passt möglicherweise nicht zum Einstieg einer einzelnen selbstständigen Person.

Sortiere doppelte Fragen zusammen. Markiere anschließend diejenigen, die beantwortet sein müssen, damit der nächste Schritt möglich wird. Daraus entsteht die Reihenfolge deines E-Books.

Ordne Kapitel nach dem Arbeitsablauf

Für ein praktisches E-Book ist eine nachvollziehbare Reihenfolge oft hilfreicher als eine Sammlung aller Begriffe zum Thema. Zuerst wird etwas entschieden, danach vorbereitet, umgesetzt und geprüft. Die konkrete Folge hängt natürlich von deinem Anwendungsfall ab.

Im Newsletter-Beispiel könnten die Kapitel so aussehen: Ziel und Empfänger klären, Thema auswählen, Aufbau festlegen, Text entwerfen, Ausgabe prüfen und die nächste Ausgabe vorbereiten. Jede Überschrift sollte erkennen lassen, welchen Fortschritt dieses Kapitel ermöglicht.

Lies die Kapitel anschließend der Reihe nach durch. Hat die Person nach Kapitel zwei schon alles, was sie in Kapitel drei braucht? Wenn nicht, schiebe einen Schritt ein oder ändere die Reihenfolge. Jetzt besteht die Korrektur noch aus ein paar verschobenen Zeilen. Bei einem fertigen Manuskript wäre deutlich mehr umzubauen.

Gib jedem Kapitel eine kleine Aufgabe

Unter jede Kapitelüberschrift gehören drei kurze Notizen: die Frage, die du beantwortest, ein Beispiel und der nächste Arbeitsschritt. Damit bekommt das Kapitel einen klaren Zweck.

Ein Kapitel über die Themenwahl könnte beispielsweise erklären, wie man wiederkehrende Kundenfragen sammelt. Als Beispiel dient eine kleine Liste möglicher Themen. Die Aufgabe lautet anschließend, eine Frage für die erste Newsletter-Ausgabe auszuwählen. Leser wissen dadurch, wie sie die Erklärung auf ihre eigene Situation übertragen können.

Nicht jeder Abschnitt braucht eine Übung. Eine bewusste Mischung aus Erklärung, Beispiel und Anwendung hilft jedoch, reine Textsammlungen zu vermeiden. Achte darauf, dass jede Aufgabe mit den zuvor bereitgestellten Informationen lösbar ist.

Nutze KI als Hilfe beim Sortieren

Du kannst ein KI-Werkzeug bitten, deine Fragen zu gruppieren oder eine vorhandene Gliederung auf Lücken zu prüfen. Gib dafür Zielgruppe, Ergebnis und Grenzen des E-Books mit. Die Antwort ist ein Entwurf, den du fachlich beurteilst.

Ein möglicher Arbeitsauftrag lautet: „Hier sind Zielgruppe, gewünschtes Ergebnis und meine gesammelten Fragen. Schlage eine nachvollziehbare Kapitelreihenfolge vor. Begründe die Übergänge und markiere Voraussetzungen, die noch fehlen. Ergänze keine angeblichen Studien oder Kundenergebnisse.“

Kontrolliere die Vorschläge sorgfältig. Anthropic weist selbst darauf hin, dass Claude überzeugend klingende, aber falsche Aussagen oder Zitate ausgeben kann. Eine gut formulierte Antwort ersetzt deshalb keine Prüfung der Inhalte. Quelle: Claude-Hilfecenter

Plane kleine Schreibaufgaben

Mit „Kapitel drei schreiben“ auf der Aufgabenliste kannst du trotzdem lange vor dem Bildschirm sitzen. „Das Beispiel für die Themenauswahl formulieren“ ist ein besserer Einstieg: Du weißt, was entstehen soll, und merkst, wann es fertig ist.

Teile jedes Kapitel in kleine Arbeitseinheiten. Lege für jede Einheit fest, welches Material du brauchst und woran du die Fertigstellung erkennst. Eine feste Schreibgeschwindigkeit musst du dir dafür nicht vornehmen. Ein kompliziertes Beispiel braucht möglicherweise mehr Überarbeitung als ein einfacher Erklärungstext.

Sammle offene Recherchefragen separat. So bleibt sichtbar, welche Aussagen noch geprüft werden müssen, ohne dass du sie aus Versehen als fertigen Text übernimmst.

Prüfe die Gliederung vor dem Layout

Lies die Überschriften hintereinander und fasse den Ablauf laut zusammen. Ergibt sich daraus ein verständlicher Weg? Unterstützt jedes Kapitel das versprochene Ergebnis? Sind wichtige Voraussetzungen genannt? Wenn möglich, zeige die Gliederung außerdem jemandem, der zum vorgesehenen Vorwissen passt.

Erst danach lohnt es sich, größere Teile auszuformulieren und zu gestalten. Für die Zusammenarbeit von Schreiben und Layout findest du eine Einordnung des Leitfadens zu Claude und Canva. Dort beschreibe ich transparent, was das Angebot laut Anbieter enthält und welche Fragen vor einem Kauf offenbleiben.

Dein Arbeitsstand für heute kann eine Seite sein: Zielgruppe, Ergebnis, Kapitelreihenfolge und die nächste kleine Schreibaufgabe. Damit bekommt das leere Dokument einen konkreten Anfang.

Beispiel: Eine Gliederung aus drei Leserfragen

Als erfundenes Beispiel dient ein kurzer Leitfaden für die Vorbereitung eines ersten Workshops. Die Gliederung folgt dem Arbeitsablauf, nicht der Reihenfolge deiner eigenen Notizen. Ergänze weitere Kapitel nur, wenn sie für das versprochene Ergebnis gebraucht werden.

Leserfrage Kapitel Ergebnis für den Leser
Was soll der Workshop erreichen? Ziel und Teilnehmer Ein Satz zum Workshop-Ziel
Was muss ich vorbereiten? Ablauf und Material Eine ausgefüllte Vorbereitungsliste
Was prüfe ich vor dem Termin? Der letzte Durchgang Eine kurze Kontrollliste

Häufige Fragen

Wie viele Seiten sollte mein erstes E-Book haben?

Es gibt dafür keine allgemein passende Zahl. Der Umfang sollte reichen, um das versprochene Ergebnis verständlich zu erklären. Streiche Wiederholungen und ergänze dort Beispiele, wo ein Arbeitsschritt sonst unklar bleibt.

Sollte ich zuerst schreiben oder gestalten?

Lege zunächst Zielgruppe, Ergebnis und Gliederung fest. Schreibe danach eine Arbeitsfassung. Mit dem endgültigen Layout wartest du, bis die Reihenfolge und die wichtigsten Inhalte stehen.

Thorsten Wüst · Digitalwerkstatt Nach oben ↑