Auf deiner Ideenliste stehen ein E-Book, ein Planer und vielleicht noch ein paar Vorlagen. Jedes davon könnte dein erstes digitales Produkt werden. Bei der Auswahl kommst du aber kaum weiter: Kaum gefällt dir eine Idee, fällt dir schon die nächste ein. Und irgendwo bleibt die Frage, ob das überhaupt jemand gebrauchen kann.
Mein Vorschlag: Schreib zuerst auf, bei welcher Aufgabe du jemandem helfen kannst. Ob daraus ein E-Book oder eine Vorlage wird, lässt sich anschließend entscheiden. Wir gehen das hier Schritt für Schritt durch, bis aus einem großen Thema ein überschaubares Produkt wird.
Beginne mit einer Situation, die du verstehst
Eine gute Ausgangsbasis ist eine Aufgabe, mit der du selbst vertraut bist. Vielleicht erstellst du regelmäßig Angebote, planst Inhalte für einen kleinen Shop oder hast einen Weg gefunden, wiederkehrende Unterlagen ordentlich abzulegen. Solche Aufgaben wirken oft unspektakulär. Für jemanden, der daran festhängt, können sie trotzdem relevant sein.
Schreibe zunächst fünf Situationen auf, in denen du etwas erklären oder vereinfachen könntest. Bei welchen Fragen könntest du eine Reihenfolge zeigen, ein Beispiel ausfüllen oder eine Arbeitshilfe anbieten? Für diese erste Sammlung reicht ein Notizblatt. Lass das Logo und die spätere Verkaufsplattform ruhig noch warten.
Mache aus dem Thema eine konkrete Aufgabe
„Organisation“ ist ein Themenfeld. „Die Unterlagen für den nächsten Kundentermin zusammenstellen“ ist eine Aufgabe. Dieser Unterschied hilft dir beim Eingrenzen. Ein großes Thema führt schnell zu einer langen Materialsammlung, deren Nutzen schwer zu beschreiben ist.
Beschreibe deshalb eine Arbeitssituation. Stell dir zum Beispiel eine selbstständige Fotografin vor, die ihre Erstgespräche vorbereiten möchte. Welche Informationen braucht sie vor dem Termin? Welche Rückfragen vergisst sie leicht? Eine Gesprächsvorlage könnte diese Angaben in eine feste Reihenfolge bringen. Damit haben wir eine Idee, deren Nutzen sich erklären und an einer Beispielseite zeigen lässt.
Versuche, diesen Moment möglichst genau zu treffen: Wann holt jemand deine Datei hervor, und was möchte die Person damit erledigen? Das hilft dir später auch bei den Themen für Blogartikel und Pins.
Beschreibe das Ergebnis in einem Satz
Versuche nun, folgenden Satz zu vervollständigen: „Nach der Verwendung kann die Person …“ Die Antwort sollte eine Handlung oder ein sichtbares Arbeitsergebnis beschreiben. „Besser organisiert sein“ ist schwer zu überprüfen. „Die Informationen für das Erstgespräch in einer Übersicht sammeln“ lässt sich deutlich besser beurteilen.
Für ein kleines PDF zum Wochenstart könnte das Ergebnis lauten: „Du legst deine drei wichtigsten Aufgaben fest und verteilst sie auf die tatsächlich verfügbaren Arbeitszeiten.“ Das verspricht noch keine perfekte Woche. Es beschreibt, wozu die Datei dienen soll.
Diese Formulierung ist zugleich ein Filter für den Inhalt. Alles, was das Ergebnis nicht unterstützt, landet zunächst auf einer Liste für spätere Erweiterungen.
Wähle das Format nach der Aufgabe
Ein E-Book eignet sich, wenn Erklärungen, Zusammenhänge und Beispiele wichtig sind. Eine Checkliste passt zu einem Ablauf, bei dem leicht etwas vergessen wird. Eine Vorlage hilft, wenn wiederholt dieselben Angaben zusammengestellt werden müssen. Ein Workbook begleitet Entscheidungen durch Fragen und Übungen.
Du musst diese Formate nicht streng voneinander trennen. Ein kurzes Workbook kann Erklärungen und eine Checkliste enthalten. Wichtig ist, dass der Nutzer versteht, was er damit machen soll. Bei einem ersten Produkt würde ich ein Hauptformat wählen und zusätzliche Bestandteile sparsam einsetzen.
Denke dabei an die spätere Nutzung: Jede zusätzliche Datei muss erklärt und gefunden werden. Drei Dateien, die sauber zusammengehören, können angenehmer sein als ein Paket, in dem man erst lange suchen muss.
Prüfe den Bedarf, bevor du viel ausarbeitest
Eine Idee wirkt auf dem eigenen Notizzettel häufig überzeugend. Ob andere Menschen denselben Bedarf haben, ist damit noch offen. Suche deshalb nach konkreten Fragen und bestehenden Lösungen: Welche Begriffe verwenden Menschen? Welche Schritte werden immer wieder erklärt? Worüber sind Nutzer bei vorhandenen Angeboten unzufrieden?
Dabei liefern einzelne Kommentare Hinweise, aber noch keinen Beweis für zahlungsbereite Nachfrage. Auch Suchvorschläge oder viele ähnliche Produkte sagen allein wenig darüber aus, ob dein Angebot gekauft würde. Halte deshalb Beobachtung und Interpretation auseinander. „Drei Personen fragen nach einer Gesprächsvorlage“ ist eine Beobachtung. „Dafür gibt es einen großen Markt“ wäre bereits eine weitergehende Schlussfolgerung.
Wenn du passende Personen erreichst, zeige ihnen eine Beispielseite. Frage, wie sie die Aufgabe bisher lösen und was an deinem Entwurf unklar ist. Eine konkrete Reaktion auf Material ist hilfreicher als allgemeines Lob für die Idee.
Baue eine erste brauchbare Fassung
Begrenze dein Projekt auf einen vollständigen kleinen Anwendungsfall. Eine Vorlage für ein Erstgespräch könnte beispielsweise aus einer kurzen Anleitung, einer leeren Arbeitsseite und einem ausgefüllten Beispiel bestehen. Damit lässt sich bereits prüfen, ob die Reihenfolge verständlich ist und ob wichtige Angaben fehlen.
Lege vor dem Gestalten fest, wann diese Fassung als fertig gilt. Mögliche Kriterien sind: Alle Felder sind erklärt, das Beispiel ist nachvollziehbar und die Datei lässt sich wie vorgesehen nutzen. Die Anzahl der Seiten ergibt sich aus der Aufgabe. Sie ist kein eigenständiges Qualitätsmerkmal.
Vermeide es, während der Erstellung ständig neue Themen aufzunehmen. Eine zusätzliche Idee kannst du festhalten, ohne den aktuellen Entwurf dafür umzubauen.
Zeige Anwendung statt großer Versprechen
Zeige später ruhig, wie die Datei benutzt wird. Fülle eine Beispielseite aus oder führe eine kurze Aufgabe damit vor. Wer das sieht, kann leichter einschätzen, ob die Arbeitshilfe zur eigenen Situation passt.
Vorsicht bei Aussagen, die du nicht belegen kannst. Eine Wochenvorlage garantiert weder mehr Umsatz noch eine bestimmte Zeitersparnis. Du kannst aber zeigen, wie Aufgaben darin gesammelt und priorisiert werden. Das ist verständlich und lässt sich am Produkt selbst nachvollziehen.
Für die Preisentscheidung brauchst du ebenfalls mehr als die Seitenzahl. Berücksichtige den Anwendungsfall, vergleichbare Lösungen, den Umfang der Unterstützung und die Rückmeldungen auf deinen Entwurf. Eine sichere Zahlungsbereitschaft lässt sich aus diesen Punkten nicht automatisch ableiten.
Dein nächster Schritt
Nimm dir eine deiner Ideen vor und schreibe vier Dinge auf: die Person, die konkrete Situation, das gewünschte Ergebnis und das passende Hauptformat. Ergänze anschließend eine Beispielseite. Danach hast du etwas, das du prüfen und zeigen kannst.
Wenn aus deiner Idee ein erklärender Leitfaden werden soll, hilft dir der nächste Artikel beim Planen deines ersten E-Books. Für ein Produkt mit Fragen und Arbeitsseiten findest du außerdem eine Anleitung zum Aufbau eines PDF-Workbooks.
Für heute reicht diese erste Beispielseite. Arbeite sie so weit aus, dass jemand ohne deine mündliche Erklärung versteht, was zu tun ist. Daran merkst du meist schneller, wo noch etwas fehlt, als beim weiteren Sammeln von Ideen.
Beispiel: Aus „Organisation“ wird eine Produktidee
Die folgenden Ideen sind erfundene Planungsbeispiele. Sie zeigen, wie unterschiedlich Produkte werden, obwohl sie dasselbe Oberthema haben. Entscheide zuerst, welchen dieser Arbeitsabläufe du erklären und prüfen kannst.
| Für wen? | Konkrete Aufgabe | Mögliche erste Fassung |
|---|---|---|
| Menschen vor einem Umzug | Offene Aufgaben bis zum Übergabetermin sammeln | Eine Aufgabenliste mit Termin und Zuständigkeit |
| Kleine Workshop-Anbieter | Material für den nächsten Termin vorbereiten | Eine Material- und Vorbereitungsliste |
| Neue E-Book-Autoren | Ein Thema in Kapitel gliedern | Ein Arbeitsblatt mit Leserfrage und Kapitelziel |
Häufige Fragen
Brauche ich schon eine große Zielgruppe?
Du brauchst für die erste Arbeitsversion keine große Reichweite. Du solltest aber eine konkrete Gruppe benennen und einige passende Personen erreichen können, um den Bedarf und die Verständlichkeit zu prüfen.
Welches digitale Produkt eignet sich zum Einstieg?
Das hängt von der Aufgabe ab: Erklären passt zu einem kurzen Leitfaden, Entscheidungen zu einem Workbook und wiederkehrende Eingaben zu einer Vorlage. Beginne mit dem kleinsten Format, das die Aufgabe sinnvoll löst.